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28.02.2004 - Westf. Nachrichten
Sodbrennen
Der Patient von heute will informiert sein, sucht den Dialog mit dem Arzt und geht mit Vorwissen in die Behandlung. Seine These brauchte Dr. Fevzi Koc, der als Gastredner über die Zuverlässigkeit medizinischer Informationen im Internet sprach, beim vierten Hiltruper Patientenseminar, kaum noch zu untermauern. Die Veranstaltung am Donnerstagabend im Festsaal des Herz-Jesu Krankenhauses war dafür Beweis genug.
Die Privatdozenten Dr. Rüdiger Horstmann und Dr. Anton Gillessen sprachen über die Ursachen und Symptome des weit verbreiteten Sodbrennens und stellten internistische und chirurgische Behandlungsmethoden vor. Mit der Wahl ihres Themans trafen die Veranstalter das Interesse der medizinischen Laien. Einige hundert Interessierte waren der Einladung zum Seminar gefolgt, das von der Medizinjournalistin Karin Wejdling moderiert wurde.
Einführend stellte Gillessen, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin am Herz-Jesu Krankenhaus, das Sodbrennen aus medizinischer Sicht dar. "Der Fachausdruck ist6 Reflux", erklärte er. Denn beim Sodbrennen fliesse durch einen Defekt der saure Magensaft in die Speiseröhre. Gillessen stellte neben den bekannten Folgen der Refluxkrankheit - darunter das saure Aufstossen und die Entzündungen der Speiseröhre - dem Laien seltener auftretende Krankheiten vor, wie Asthma und Kehlkopfkrebs. Als wichttigstes Mittel bei der Diagnose ging der Internist dann auf die Gastroskopie ein. Die Magenspiegelung sie die wichtigste Voraussetzung, um festzustellen, wie stark die Entzündung ist, und um schwerwiegende Krankheiten wie Krebs auszuschliessen.
Bei der medikamentösen behandlung sprach er die starken Säureblocker, die so genannten Protonenpumpenhemmer, an. Deutlich distanzirte er sich auf zum Teil praktizierte endoskopische Verfahren zur Behandlung des Reflux. "Diese Verfahren sind noch im Versuchsstadium", so Gillessen.
Die operative Behandlungsmethode stellte Horstmann, Chefarzt der Chirurgie, vor und setzte dabei einen Schwerpunkt auf die Schlüssellochoperation. "Diese Operationsmethode, bei der die Instrumente und die Kamera durch kleine Schnitte eingeführt werden, stellt eine Alternative zu offenen Operationen mit großen Bauchschnitten dar", erklärte der Chirurg. Im Vergleich zur konventionellen Operation sei dies eine sehr schonende Methode.
In zwei Filmen demonstrierte Horstmann diesen OP-Vorgang. "Durch den Eingriff wird eine Art Ventil geschaffen, damit die saure Magenflüssigkeit nicht in die Speiseröhre fliessen kann." Gleichwohl gab der Mediziner zu bedenken: "Die Operation kommt nur als Alternative zur täglichen Einnahme von Medikamenten in Frage." Horstmann, Gillese, Dr. Martin Helleberg und Dr. Susanne Röttgermann, die das Bauchzentrum Hiltrup leiten, beantworteten anschliessend Fragen Ihrer Zuhörer. Die Mediziner räumten die Vorbehalte mancher Hausärzte gegen die Operation ebenso aus der Welt wie die Angst vor den Langzeitrisiken bei der Medikamenteneinnahme.
"Das Risiko ist sehr gering", sagte Gillessen.
-ks-
